Dieses Rezept für Aachener Printen war ursprünglich Teil meines Plätzchenadventskalenders 2025, einer E-mail-Serie im Dezember. Die anderen Rezepte findest du hier (ich bin dabei sie nach und nach zu übertragen) sodass man sie einfach finden kann. Du kannst dich dort auch für das nächste Jahr anmelden.
Weihnachten wäre nicht Weihnachten ohne Lebkuchen. Und die zwei berühmtesten Lebkuchenstädte sind ohne Zweifel Aachen und Nürnberg.
Ich starte hier mit den Aachener Printen, weil ich sie fast jedes Jahr backe, denn mein Mann liebt sie sehr. Dazu sind sie ziemlich einfach in der Herstellung vor allem was die (minimalistische) Dekoration angeht.
Über den Ursprung der Printen ist man sich nicht völlig sicher. Sie datieren wohl aus dem 15. Jahrhundert und waren ein Wallfahrtsgebäck. Seit 1688 werden sie in der Bäckerei Lambertz -heute der größte deutsche Hersteller von Lebkuchen – gebacken.
Was Printen backtechnisch besonders macht ist, dass sie kein Fett und keine Eier enthalten. Nur Mehl, Zucker, Gewürze und ein spezielles Backtriebmittel. Das macht sie natürlich äußerst lagerfähig, verleiht ihnen aber auch eine gewisse Zähigkeit.
Süße
Früher verwendete man Honig, aber später setzte sich Zuckerrübensirup durch. Vielleicht hat die industrielle Zuckerproduktion die Printe sogar erst so richtig populär gemacht. Zumindest wurde im 19. Jahrhundert Zucker sehr viel erschwinglicher.
Die braune Färbung und der malzige Geschmack gehören heute jedenfalls fest zum Charakter dazu.
Ich vermute, die ursprünglichen Printen waren näher an denen, die man heute noch in Dinant (Belgien) bekommt: wunderschöne Honigkuchen, die man sich aufgrund der Härte langsam auf der Zunge zergehen lassen muss.
Lockerung
Das klassische Triebmittel für die Printe ist Pottasche: Kaliumcarbonat. Man bekommt es während der Weihnachtszeit in den meisten Supermärkten. Pottasche löst man in ein bisschen Wasser auf und gibt sie dann zum Teig. Sie ist ein richtiges chemisches Multitalent. Denn mit ihrem hohen pH-Wert
- beschleunigt sie die Maillardreaktion (die leckere Bräunung)
- wirkt sie der Bildung eines Glutennetzwerks entgegen (weniger Zähigkeit)
- trägt sie zur Entfaltung der Gewürze bei
Damit die Printe nicht seifig oder bitter schmeckt, muss die Pottasche während des Backens neutralisiert werden. Dafür sorgt unter anderem der Zuckerrübensirup, man sollte ihn also nicht einfach mit Zucker oder Honig ersetzen (und wenn schon dann hilft ein bisschen Zitronensaft). Bei traditionell langer Lagerung entsteht ebenfalls Säure, aber dafür lagere ich meinen Teig nicht lang genug.

Gewürze
Printen werden anders als viele andere Lebkuchen traditionell großzügig mit Sternanis gewürzt. Ich verwende meine eigene Mischung aus Sternanis, Zimt, Piment, Kardamom, Muskat und Koriander. Ich mag den gelegentlichen Biss auf ein nicht ganz perfekt gemahlenes Stück Sternanis. Man kann aber auch ein klassisches Lebkuchengewürz verwenden. Oder, wenn gerade gar nichts anderes im Haus ist, funktioniert auch nur Zimt.

Variationen und Dekoration
Nach Belieben kann man Orangeat oder Zitronat, kandierten Ingwer oder groben Hagelzucker hinzufügen. Letzterer ist recht typisch und sorgt für einen zusätzlichen Crunch, wenn er direkt in den Teig eingeknetet wird.
Traditionell werden Printen oft mit Mandelstiften oder halbierten Mandeln verziert. Wer möchte, kann sie außerdem teilweise oder vollständig in Schokolade tauchen. Die Aachener sind diesbezüglich eher wenig dogmatisch.
Gute Nachrichten für alle, die beim Backen gern die Hände benutzen: Das hier ist ausnahmsweise mal ein Teig, der tatsächlich geknetet werden möchte. Und Widerstand leistet. Also gib ihm.
Dieses Rezept ergibt viele Plätzchen. Die halbe Menge reicht problemlos für etwa 50–60 Printen.

Aachener Printen
Traditionelle Lebkuchen

Ergibt ungefähr 120 Stück
Zutaten
240g Mehl
200g Zuckerrübensirup
40g Honig
2g Pottasche
1 Tl Sternanis gemahlen
3/4 Tl Zimt gemahlen
3/4 Tl Koriander gemahlen
1/4 Tl Piment gemahlen
1/4 Tl Kardamom gemahlen
1 Prise Muskatnuss gemahlen
oder
3 Tl Lebkuchengewürz
oder
2 Tl Zimt
optional:
40g Hagelzucker
20g Zitronat/Orangeat
20g kandierter Ingwer
Deko:
120g blanchierte halbierte oder gestiftelte Mandeln
100g Schokolade
Zubereitung
Teig herstellen
Sirup und Honig mit den Gewürzen bei schwacher Hitze in einem Topf erwärmen. Die Pottasche in etwas Wasser auflösen. Dann zusammen mit dem Mehl und den optionalen Zugaben zum Zucker geben und gut durchkneten.
Tip: Den Teig einwickeln und an einem kühlen Ort zum Beispiel im Kühlschrank meherere Tage durchziehen lassen. Dadurch können sich die Gewürzaromen besser entfalten.

Backen
Den Teig auf ca 3mm Stärke ausrollen (ja das ist Sport). Dann in Rechtecke (ca 5cm x 3cm) oder Rauten schneiden und einzeln auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech mit etwas Abstand (sie gehen auf) legen. Eventuell mit den Mandeln verzieren.
Bei 180 Grad Ober-und Unterhitze ca 12-15 Minuten backen.
Tip: Eher weniger als mehr backen, da die Pottasche die Bräunung beschleunigt. Auf einem Gitter komplett abkühlen lassen. Falls gewünscht mit geschmolzener Schokolade überziehen.

Aufbewahrung
In Keksdosen lagern. Die Printen sind ein eher robustes Gebäck, das sich sehr lange hält. Wenn sie ein bisschen zu hart oder trocken geworden sind einfach einen Apfelschnitz oder ein Stück Brot mit in die Keksdose legen (aber nach einer Nacht wieder entfernen wegen Schimmelgefahr)

Und jetzt viel Spaß beim Backen!