Financiers Rezept: Französisches Mandelgebäck mit Nussbutter

Veröffentlicht am Kategorisiert als Der Teil mit dem Kuchen

Das hier ist das Rezept, welches ich eigentlich als erstes auf meinen Blog stellen wollte. Und jetzt sind wir hier: ein gutes Jahr nach dem Start, aber naja: besser spät als nie.

Warum ich Financiers liebe

Financiers sind ein französisches Gebäck und wenn man zwanzig Jahre Weihnachtsplätzchen außen vor lässt, wohl mein meist gebackenes. Das hat viele gute Gründe:

  • Geschmack: Ein guter Financier ist unfassbar lecker, man verliebt sich praktisch beim ersten Bissen.
  • Größe: Gebacken werden sie in kleinen Förmchen. Genau die richtige Größe für ein perfektes Häppchen.
  • Erfolgsquote: Sie sind tatsächlich relativ einfach und dabei auch gelingsicher (mir ist noch NIE ein Financier misraten, das kann ich von den meisten anderen Rezepten nicht behaupten)
  • Praktikabilität: man kann den Teig schon am Vortag zubereiten und ihn sogar einfrieren.
  • Ergiebigkeit: man braucht nicht viel Teig um eine beachtliche Anzahl herzustellen
  • Variabilität: man kann sie sehr einfach abwandeln was Form und Geschmack angeht
  • Transport und Lagerung: Sie eignen sich tatsächlich auch sehr gut als Mitbringsel für die heißeste Gartenparty des Jahres (geschrieben während einer Hitzewelle), da sie nicht besonders verderblich sind.

Ja, ich bin ein Superfan. Nein, ich werde nicht vom FFS (Französischen Financier Syndikat) gesponsert.

Der unterschätzte Cousin der Madeleine

Zum ersten Mal begegnet sind sie mir in einer Konditorei hier in Luxemburg. Zwischen all den bunten Entremets wirken sie eher unscheinbar und sind erstaunlicherweise oft die Letzten in der Auslage (zu Unrecht). Aber vielleicht bin ich genauso an meinen ersten gekommen.
Es sind halt doch die inneren Werte…eine leichte Ironie für ein Gebäck, das seinen Namen unter anderem davon hat, dass die typische Form, in der sie gebacken werden, an Goldbarren erinnert.
Ich habe überhaupt nichts gegen Madeleines. Eine frisch gebackene Madeleine mit ihrer hübschen Muschelform und dem perfekten kleinen Bäuchlein ist ebenfalls ziemlich himmlisch. Aber meiner Meinung nach hätten die Financiers es verdient, mindestens genauso bekannt zu sein.

Goldbarren, Nonnen und Börsenmakler

Es gibt mehrere Geschichten zu ihrem Ursprung: von Nonnen aus dem 17. Jahrhundert, die Eiweiße zu verwerten hatten, da die Eigelbe für die Wandbemalung benötigt wurden (unter dem Namen “Visitandines” (nach dem Orden)), zu einem findigen Pariser Bäcker mit einer Niederlassung nahe der Pariser Börse, der sie (Ende des 19. Jahrhunderts) als Fingerfood für gestresste Bänker (“Financiers”) verkaufte, da sie sich ohne Teller, Besteck und Sauerei quasi im Vorübergehen verspeisen lassen. Aber es gibt auch eine Kochbucherwähnung von 1900 über ihre Erfindung in Rennes im Jahr 1835. Und nicht zu vergessen wären da noch die Friands…oftmals ein Synonym für Financiers, allerdings in einer anderen Form gebacken. Welche Geschichte nun stimmt, darüber ist man sich bis heute nicht ganz einig. Also wie so oft: Herkunft unklar, aber was gut ist, schlängelt sich eben seinen Weg durch die Jahrhunderte.

Ich habe natürlich versucht, sie nachzubacken, geriet allerdings an ein Rezept, bei dem sich jemand mit dem Zucker vertippt hatte. Das Ergebnis war entsprechend… ernüchternd. Danach war das Thema erst einmal für ein paar Jahre gegessen.

Das Geheimnis: Beurre Noisette

Das Geheimnis des Geschmacks liegt in der beurre noisette, der sogenannten Nussbutter. Dafür wird Butter so lange erhitzt, bis das Wasser verdampft ist und die Milcheiweiße zu bräunen beginnen. Dabei entstehen die nussigen Röstaromen, die Financiers ihren charakteristischen Geschmack verleihen. Ich habe schon Rezepte gelesen, die meinen, ohne Nussbutter auskommen zu können. Ich erwähne an dieser Stelle keine Namen aber: Sacrebleu! Non!

Mein Lieblingsrezept

Neben Butter enthalten Financiers in der klassischen Version noch Puderzucker, Mehl, gemahlene Mandeln und Eiweiß. Aber wie oben schon erwähnt lässt sich das Grundrezept sehr gut abwandeln.
Meine Lieblingsvariante sind dabei Pistazienfinanciers mit oder ohne Himbeeren.

Sie werden eher heiß gebacken und entwickeln dadurch gebräunte, knusprige Ränder, die wunderbar mit dem saftigen Kern harmonieren. Am besten schmecken sie frisch abgekühlt am Backtag, aber man kann sie durchaus mehrere Tage aufbewahren. Nur kühlschrankkalt würde ich sie nicht essen: denn Gebäck mit Butter wird sehr fest, wenn es kaltgestellt wird und die niedrige Temperatur dämpft außerdem den Geschmack.

Wie gesagt, backe ich meine Financiers selten in Goldbarrenform. Eine klassische Muffinform wie hier links ist schon zu groß, aber Minimuffinformen eignen sich sehr gut. Hier sind ein paar meiner Formen, meistens nütze ich die rote Minimuffinsilikonform. Einfetten muss man sie alle nicht, denn der Financierteig bleibt nicht wirklich kleben.

Aber jetzt zum Rezept. Das hier ist meine liebste Abwandlung, das Grundrezept findest du weiter unten. Die Methode bleibt grundsätzlich die gleiche.

Pistazienfinanciers

Französisches Mandelkleingebebäck mit Nussbutter

Für ca 20 Stück (in der Minimuffinform, je ca 20g Teig)


115g Butter

90g Puderzucker
60g gemahlene Pistazien
20g Pistazienmus*
35g Mehl
3 Eiweiße (ca 100g)
1 Prise Salz
Optional:
20 Himbeeren (frisch oder gefroren)

*Verwende möglichst 100 % Pistazienmus. Pistaziencremes (z. B. mit Zucker oder weißer Schokolade) verändern Süße und Konsistenz des Teigs.


Optional: Nüsse anrösten
Es lohnt sich, falls man die Nüsse selber mahlt, lässt sich deren Aroma intensivieren, indem man sie 10 Minuten bei 160 Grad Umluft anröstet. Vor dem Mahlen etwas abkühlen lassen, sonst hat man ganz schnell Nussbutter, denn das Öl tritt, wenn sie warm sind, leichter aus.

Nussbutter herstellen
Die Butter in einem Topf erhitzen. Das dauert eine Weile (bei einem Wassergehalt von 18%), aber sobald das Wasser verdampft ist, muss man aufpassen, denn dann verbrennt die Butter schnell. Gebräunte Butter in einen hitzebeständigen Behälter umfüllen, damit sie etwas abkühlen kann.

Tipp: Man kann das Verdampfen des Wassers hören. Sobald kein Geräusch mehr aus dem Topf kommt, ist es fast soweit. Also: Öhrchen spitzen.

Teig
Eiweiße ganz kurz mit der Hand aufschlagen (sie müssen in keiner Weise weiß sein).
Puderzucker, Mehl und gemahlene Pistazien in die Schüssel mit den Eiweißen sieben, dann die abgekühlte (sie sollte unter 40 Grad sein) Nussbutter unterrühren. Den relativ flüssigen Teig für mindestens eine Stunde oder auch über Nacht kalt stellen. Er wird dann deutlich fester.

Tipp: Der Teig kann auch eingefroren werden. Zum Auftauen einfach am Abend davor in den Kühlschrank legen und vor dem Backen kurz durchkneten, falls sich die Butter etwas abgesetzt hat.

Backen
Backofen auf 190 Grad Ober-und Unterhitze vorheizen. Den Financierteig in die Backförmchen geben und ungefähr 15 Minuten backen. Auf einem Gitter abkühlen lassen.

Tipp: Bei Verwendung von Himbeeren:
-gefrorene Himbeeren: vor dem Backen leicht in den Teig drücken.
-frische Himbeeren: nach dem Backen mit einer frischen Himbeere dekorieren (kann man mit ein bisschen Pistazienmus oder Zuckerguss festkleben)


Tipp: Da jeder Ofen und jede Form anders sind: die Financiers sind dann fertig wenn sie in der Mitte deutlich aufgegangen sind (gefrorene Himbeeren verhindern das etwas) und an den Rändern gebräunt, aber nicht verbrannt sind.

Abwandlungen

Wie oben versprochen ist hier das Grundrezept. An der Zubereitung ändert sich nichts.

Grundrezept

Die klassische Version mit ausschließlich Mandeln. Man kann eventuell noch etwas Zitronenabrieb dazugeben, aber ehrlich gesagt finde ich das eine unnötige Ablenkung.

Für ca 20 Stück: 115g Butter, 90g Puderzucker, 80g gemahlene Mandeln, 35g Mehl, 3 Eiweiße (ca 100g), 1 Prise Salz

Haselnussfinanciers

Der Geschmack der Nussbutter geht schon in Richtung Haselnuss. Man kann ihn noch verstärken indem man die Mandeln mit Haselnüssen ersetzt und sogar noch ein bisschen mehr wenn man einen Teil der Nüsse (20g durch Haselnussbutter ersetzt). Der Version im Bild habe ich eine Ganachehaube aus dunkler Schokolade und Sahne verpasst, die hübsch ist, aber meiner Meinung nach wiederum zu stark vom Gebäck selbst abgelenkt.

Für ca 20 Stück: 115g Butter, 90g Puderzucker, 80g gemahlene Haselnüsse, 35g Mehl, 3 Eiweiße (ca 100g), 1 Prise Salz

Sternanis & Schwarze Johannisbeere

Ein echter Traum und in diesem Fall bietet der Financier die optimale Bühne für das Geschmackserlebnis aus Sternanis und Cassis. Und die Farbe ist spektakulär.

Für ca 20 Stück: 115g Butter, 90g Puderzucker, 80g gemahlene Mandeln, 35g Mehl, 3 Eiweiße (ca 100g), 1/4 Tl Sternanis, 1 Prise Salz.
Guss: 40g gefrorene schwarze Johannisbeeren + 80g Puderzucker, schwarze Johannisbeeren für die Garnitur.
Schwarze Johannisbeeren auftauen und durch ein Sieb streichen. Den Saft mit dem Puderzucker verrühren und den Guss auf den Financiers verteilen (er sollte von alleine fließen, aber nicht so dünn sein, dass er direkt runterläuft). Die Johannisbeeren auf den Guss setzen solange er noch flüssig ist.

Walnuss mit oder ohne Kaffee

Ich liebe Walnüsse und mein Lieblings(groß)kuchen ist der Kaffee-Walnuss-Kuchen (inspiriert von Besuchen in den Cafés des britischen National Trust). Dementsprechend habe ich natürlich auch dafür eine Variante.

Für ca 20 Stück: 115g Butter, 90g Puderzucker, 80g gemahlene Walnüsse, 35g Mehl, 3 Eiweiße (ca 100g), 1 Prise Salz.
Guss: 1 Tl lösliches Kaffeepulver, 1 Tl heißes Wasser, 80g Puderzucker, 20 Walnusshälften für die Deko
Kaffeepulver im heißen Wasser auflösen und mit dem Puderzucker zu einem Guss verrühren. Den Guss auf den Financiers verteilen (er sollte von alleine fließen, aber nicht so dünn sein, dass er direkt runterläuft). Die Walnüsse auf den Guss setzen solang er noch flüssig ist. Ja im Bild unten ist es andersrum. Man lernt ja (hoffentlich) aus seinen Fehlern.

Happy baking! Und die Nussbutter bitte nicht überspringen 😉

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