Dieser Artikel ist im Rahmen eines Blogprogramms entstanden, das mir hilft, den Faden nicht komplett zu verlieren. Es ist einer der Anfangsartikel, die wir schreiben, damit wir ins Schreiben kommen. Das Motto meiner Blogmentorin ist übrigens Blog like nobody’s reading.1 Und ja, es fühlt sich schrecklich selbstbezogen an hier ausschließlich über meine Werte und Haltung zu schreiben. Aber wenn es dich nicht interessiert kannst du ja auch einen Artikel über unseren glorreichen Fettstoffwechsel oder meinen Ansatz zum Biohacking lesen ; ) Na dann, los geht’s.
Das Rennpferd um das es hier geht ist mein allzu aktiver Verstand. Ich habe ihm sogar einen Namen verpasst: Areion, ein sagenhaft schnelles Pferd aus der griechischen Mythologie (Bescheidenheit können wir wohl von der Liste meiner fundamentalen Werte streichen). Aber ihm einen Namen zu geben hilft mir, ihn gleichzeitig zu zügeln und wertzuschätzen ohne mich komplett damit zu identifizieren und wegtragen zu lassen.
Ich glaube jedenfalls nicht, dass mir jemals die Themen ausgehen werden über die ich schreiben könnte. Aber was mir vielleicht ausgehen wird ist die Geduld mit mir, dass ich dem was Areion so einfällt in irgendeiner Hinsicht gerecht werden kann: Geduld ist ebenfalls von der Liste gestrichen.
Ich musste mir meine Kernwerte aber nicht durch mühsames Listenstreichen erarbeiten: falls du ebenfalls Lust hast rauszufinden, was dich so richtig ticken lässt kann ich dieses Tool hier nur empfehlen. Es gibt so viele positive Eigenschaften und fast alle hören sich toll für mich an, aber letztendlich war es erstaunlich einfach. Und auch aufschlussreich. Denn zwei meiner Kernwerte: Freiheit und Neugier folgen mir schon ein ganzes Leben lang. Sie sind Teil meines Wesens und beeinflussen in gewissem Maß alle meine Entscheidungen- nicht immer mit den angenehmsten Konsequenzen muss ich sagen.
Aber der dritte: Akzeptanz kam später als Lehrer mitten im Sturm. Erst nach Krankheit, innerem Umbruch und einer Art Neujustierung begann ich zu verstehen, was sie bedeutet. Und dann auch nicht in der geliebten Theorie sondern direkt in der praktischen Implementierung.
Akzeptanz: Der Wert, den ich mir nicht ausgesucht habe bis ich musste
Ich bin nicht mit Akzeptanz aufgewachsen, sondern mit Anstrengung und dem Glauben, dass alles planbar, machbar, optimierbar ist. Freiheit und Neugier fielen mir leicht. Aber Akzeptanz kam erst später durch Grenzen, die ich nicht verschieben konnte.
Long Covid war mein ungebetener Lehrmeister. Ich musste lernen, mit einem Körper zu leben, den ich nicht antreiben konnte. Zu Areion hatte ich in dieser Zeit auch nicht den üblichen Zugang: programieren? Fehlanzeige. Lange hielt ich das für Versagen. Später habe ich erkannt: Genau darin lag die eigentliche Arbeit.
Akzeptanz ist eben Selbstannahme nicht Selbstaufgabe. Diese Haltung prägt auch, wie ich über Ernährung denke und spreche. Wir kämpfen nicht gegen den Körper. Wir unterstützen ihn, in dem was gerade möglich ist. Und ich kann gar nicht sagen wie sich seither meine Bewunderung verfielfacht hat für dieses komplexe System, das uns die Interaktion mit der Welt möglich macht.
Akzeptanz heißt für mich:
Nicht jede Reaktion des Körpers pathologisieren.
Nicht alles messen, tracken und kontrollieren, bis keine Freude mehr bleibt.
Und manchmal auch mir zu erlauben, einen Plan loszulassen und einfach zu spüren, was nährt.
Seltsamerweise: Je mehr ich akzeptiere, desto freier fühle ich mich. Frei davon, auf jedes Symptom sofort reagieren oder alles umgestalten zu müssen. Frei, neugierig zu bleiben, ohne ständig Ergebnisse zu erwarten. Womit wir einen idealen Übergang haben:
Freiheit: Der Wert, nach dem mein Körper und Geist sich sehnen
Freiheit war für mich nie optional. Sie war immer ein innerer Sog.
Mein Kopf strebt nach ihr. Mein Körper auch. Ich spüre sie wie einen Wind gegen ein geschlossenes Fenster, denn ich wollte immer frei denken, frei handeln, mein Leben selbst gestalten. Ich brauche Raum. Möglichkeiten. Das Gefühl, dass ich mich umentscheiden könnte, wenn ich wollte. Und ich will.
Und doch… fühle ich mich oft eingeengt durch das Leben, das ich selbst aufgebaut habe.
Nicht, weil ich es nicht liebe sondern weil es mir etwas bedeutet. Ich möchte, dass meine Kinder sich sicher fühlen, meine Partnerschaft ehren. Und ich will ein Zuhause schaffen, keinen Absprungort. Freiheit hat sich für mich verändert.
Es geht nicht mehr darum, alles jederzeit tun zu können. Sondern darum, mich selbst nicht zu vergessen in den Entscheidungen, die ich getroffen habe. Es geht um Mikro-Freiheiten: eine Stunde zum Schreiben, ein Spaziergang ohne Ziel, eine Entscheidung aus innerer Klarheit statt aus Pflicht. Und darum, mir das Träumen zu erlauben – selbst wenn ich nicht sofort handeln kann. Und im Moment finde ich auch eine grosse Freiheit darin meiner Neugier vollen Lauf zu lassen.
Neugier- ein bockiges Fundament
So selbstverständlich, dass ich sie fast übersehen hätte. Neugier ist mein Grundzustand. Im Gegensatz zur Freiheit muss ich ihr noch nicht mal einen Raum schaffen, denn sie schafft Raum in mir. Ich folge Fragen wie andere Regeln folgen. Ich frage nicht, um zu provozieren, sondern um zu verstehen.
Denn ich kann gar nicht anders. Lange dachte ich, das sei normal. Dass jeder Mensch so denkt. Erst mit der Zeit erkannte ich: Neugier ist keine Selbstverständlichkeit. Nicht jeder bleibt nachts wach, weil er Stoffwechselprozesse oder biologische Zusammenhänge im Kopf durchgeht. Neugier war mein Rettungsseil aus dem Nebel von Long Covid. Sie brachte mich zurück zur Ernährung, zur Biologie, zum Altern, zu Mitochondrien, Hormonen, Heilung. Nicht weil ich musste, sondern weil ich nicht anders konnte.
Selbst in schwierigen Phasen verlässt sie mich nicht. Vielleicht wird sie leiser, aber nie ganz still. Wenn ich feststecke, ist es meist die Neugier, die den ersten Faden wieder aufnimmt. Ja sie rennt dann mit dem roten Faden im Maul durch den Wald und springt dabei über jeden Baumstamm. Aber sie ist so lebendig und quirlig, dass ich ihr das nicht übelnehmen kann.
Sie lässt mich wochenlang forschen über Fette und Kohlenhydrate und die Faszination des Zitronensäurezyklus bis ich vor Begeisterung auf meinem Bürostuhl hopse.
Sie hört nicht auf bei Widersprüchlichkeiten, sie setzt sich über ‘das gehört sich aber so’ und ‘haben wir schon immer so gemacht’ munter hinweg und fragt und fragt. Ich kann nur sagen: danke.
Kurz durchatmen (von wegen)
Akzeptanz, Freiheit und Neugier – diese drei Werte sind kein abgeschlossenes Kapitel. Sie sind ein Teil meines Alltags, meiner Arbeit und meines Schreibens. Sie helfen mir, die großen Fragen nicht nur auszuhalten, sondern auch mit Freude zu erforschen vom Stoffwechsel bis zur Selbstfürsorge.
Falls du neugierig bist, was ich noch entdecke, erforsche und manchmal auch infrage stelle:
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Oder du stöberst einfach weiter in den Texten – Areion hat garantiert schon das nächste Thema vorbereitet. Vielleicht rennt er noch quer über die Wiese, den roten Faden im Maul, und springt über ein paar Gräben. Aber Ende gut, alles gut.
PS: Während ich diesen Artikel geschrieben habe, kam alles zusammen:
- Ein Hitzefrei-Anruf aus dem Hort. Bitte die Kinder in spätestens 20 Minuten abholen.
- Ein kaputtes Paket mit dem neuen Wäscheständer.
- Ein Mittagessen, das noch in der Planung war (ich war ja fokussiert bei der Arbeit).
- Und dann als i-Tüpfelchen klopft es an der Tür: die Putzfrau, die alle zwei Wochen kommt.
Ihr vorrangiger Job ist natürlich zu putzen. Aber die Voraussetzung, der Nebeneffekt und vielleicht ihre eigentliche Aufgabe, von der sie gar nichts weiß: sie sorgt vor allem dafür, dass unser Haus alle zwei Wochen aufgeräumt wird. Hauptsächlich von mir. Also last minute Spülmaschine aus- und einräumen, Wäsche wegräumen, alle verbleibenden Stapel verlegen, damit man überall den Boden sieht. Und bei 38 Grad draussen ist es auch im Haus kuschelig warm.
Und in dem Moment denkt mein Gehirn dann auch: PAUSE. Ich bin raus. TikTok bitte.
Ich sage ja: gelebte Akzeptanz.
PPS: Umso stolzer bin ich übrigens über das letztendlich fabrizierte Mittagessen:

PPPS: über einen Kommentar unter diesem Artikel würde ich mich auch sehr freuen (aber siehe oben, ich weiss wie es ist nicht viel Muße zu haben).
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- Das ist kein Affiliate Marketing oder sonstige sneaky Werbung, ich finde sie einfach nur gut und dieser Blog wäre immer noch Theorie wenn ich versucht hätte alles allein zu machen. ↩︎
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